Lichterfestival Loi Krathong

Das Lichterfestival: Loi Krathong

Wenn Thailand leuchtet

Wenn Thailand den Atem anhält, ist es meist November. Die Regenzeit ist vorbei. Die Luft wirkt klarer, die Flüsse ruhiger. Dann kommt der Vollmond des zwölften Monats im thailändischen Lunisolarkalender. Und mit ihm eine Nacht, in der Wasser zur Bühne aus Licht wird.

Loi Krathong ist kein Spektakel, das man nur „anschaut“. Man gerät hinein. Am Ufer, in Parks, an Kanälen, am Meer. Überall, wo Thailand dem Wasser begegnet, treiben Kerzenflammen davon. Sie wirken wie wandernde Sterne.

Was „Loi Krathong“ bedeutet

Der Name erzählt die Handlung. „Loi“ heißt schwimmen oder schweben. „Krathong“ meint das kleine Floß. Diese Schiffchen sind oft kunstvolle Miniaturen. Traditionell bestehen sie aus dem Strunk der Bananenstaude. Manchmal werden sie auch aus Brotteig geformt.

Wichtig ist das Prinzip: ein Material, das sich mit der Zeit zersetzt. Es soll keine dauerhaften Spuren hinterlassen. In die runden Körper stecken viele Thais gefaltete Blätter und Blüten. Dazu kommen Räucherstäbchen. Und natürlich eine Kerze, die alles in Bewegung setzt.

Licht auf dem Wasser

Viele Familien lassen ihre Boote in stillen Gesten zu Wasser. Anderswo entstehen regelrechte Kunstwerke. Dort bauen Schulen, Behörden oder Unternehmen größere Krathongs. Manche sind so aufwendig, dass sie zuerst in Wettbewerben antreten. Später verschwinden sie im Dunkel der Flüsse.

Zum Abend hin verwandeln sich Teiche, Kanäle und Strände. Das Wasser glitzert. Lichtpunkte treiben langsam zum Horizont. Mit ihnen ziehen auch Wünsche davon, die niemand laut ausspricht.

Ursprung und Bedeutung

Die Wurzeln reichen weit zurück. Manche Historiker verweisen auf indische Dankrituale an eine Flussgottheit. In Thailand gab es zugleich alte animistische Traditionen. Sie dankten nach der Monsunzeit den Wassergeistern. Dafür, dass Flüsse nicht über die Ufer traten. Und dafür, dass die Ernte nicht im Wasser versank.

Wann sich diese Stränge zum heutigen Fest verbanden, ist unklar. Ihr Kern ist aber bis heute spürbar: Dank, Bitte und das Loslassen. Wenn das Floß sich vom Ufer löst, soll es Bitterkeit mitnehmen. Auch Groll und schwere Gedanken. Viele sprechen von „dunklen Flecken“ der Seele.

Das passt zum buddhistischen Gedanken, dass Anhaften Leid erzeugt. Wer abgibt, wird leichter. Loi Krathong wirkt deshalb wie ein Neubeginn. Kein lauter Schnitt, eher ein leiser Reset im Kerzenlicht.

So feiern Thais

Am liebsten feiert man im Familienkreis. Großfamilien sitzen nebeneinander am Ufer. Kinder beobachten die Flammen auf dem Wasser. Eltern erzählen, wie sie früher Krathongs gebastelt haben. Später geht man essen. Man teilt Speisen und lacht.

Auch Paare nutzen die Nacht. Viele lassen ihre Krathongs gemeinsam treiben. Das gilt als Zeichen für ein langes, gemeinsames Leben. Dazu wird es festlich. Trachten und Schmuck schimmern im Licht. Auf den Straßen laufen Paraden. Es gibt Konzerte, Wettbewerbe und Street Food.

Wo Loi Krathong am schönsten ist

Viele verorten den Ursprung in Sukhothai, der ersten Hauptstadt Siams. Heute gehört das Fest dem ganzen Land. Und jeder Ort setzt eigene Akzente. Hier sind einige der eindrucksvollsten Schauplätze.

Loi Krathong in Bangkok

Bangkok

In Bangkok wird Loi Krathong zur Großstadtlandschaft aus Licht. Wer in dieser Nacht unterwegs ist, sucht sich früh einen Platz am Chao Phraya. Der Fluss zieht wie eine Lebensader durch die Metropole. Bei Einbruch der Dunkelheit wird sein Wasser zur Reflexionsfläche. Hunderte, manchmal Tausende Krathongs treiben vorbei.

Dazwischen erscheinen immer wieder große Floße. Viele sind von Institutionen oder Sponsoren gestaltet. Sie wirken wie kleine, schwimmende Bühnen. Wer es ruhiger mag, weicht in Parks aus. Im Lumphini Park und im Chatuchak Park lassen viele Menschen ihre Krathongs ins Dunkel gleiten. Dort klingt die Stadt etwas leiser.

Loi Krathong in Chiang Mai

Chiang Mai

Im Norden trägt das Fest einen zweiten Namen. In Chiang Mai heißt es Yi Peng. Es dauert hier drei Tage. Die Krathongs auf dem Wasser bleiben zentral. Doch der Blick hebt sich zusätzlich in den Himmel.

Tausende Papierlaternen steigen auf. Sie sammeln sich wie ein glühender Strom in der Nacht. Ihre Symbolik ähnelt der der Boote. Auch sie sollen das Dunkle forttragen. Schuld und Schwere sollen sich in der Höhe auflösen. Gleichzeitig ehrt man mit dem Aufstieg eine himmlische Sphäre. Chiang Mai wird so unverwechselbar: Wasser voller Sterne, Himmel voller Flammen.

Loi Krathong in Ayutthaya

Ayutthaya

In der alten Königsstadt Ayutthaya trifft Ritual auf Geschichte. Ein Mittelpunkt der Feierlichkeiten ist das Bang Sai Arts and Crafts Center. Hunderte Menschen lassen dort ihre Krathongs am Chao Phraya zu Wasser. Märkte und Vorführungen begleiten die Nacht. Auch Paraden gehören dazu. Farben, Musik und Gemeinschaft prägen die Stimmung.

Tak

In der nördlichen Provinz Tak ändert sich schon das Material. Viele Krathongs bestehen hier aus Kokosnussschalen. Sie sind robuster und langlebiger. Noch Wochen nach dem Fest kann man einzelne Lichterboote auf dem Wasser sehen.

Ausgesetzt werden sie vor allem auf dem Ping-Fluss. Dort bilden sie eine leuchtende Kette. Sie zeichnet die Landschaft nach, fast wie eine stille Linie.

Sukhothai

Sukhothai gilt vielen als Wiege des Festes. Vielleicht wirkt es deshalb hier so stark. Zwischen den Ruinen der ersten siamesischen Hauptstadt fühlt sich Loi Krathong wie eine Zeitreise an. Antike Tempelreste stehen im Dunkel. Kanäle und Teiche tragen das Kerzenlicht.

Wenn das Feuerwerk über den Silhouetten der Tempel aufblüht, wird die Kulisse dramatisch. Familien setzen ihre Krathongs in die Wasserläufe. Dann zeigt sich, wie eng Natur, Glaube und Alltag in Thailand verbunden sind. Und wie ein kleines Floß aus Blättern für eine Nacht die Last eines ganzen Jahres aufnehmen darf.