Der kulinarische Thailand – Knigge

Die sensationelle Esskultur Thailands erschöpft sich nicht in exotischen Gewürzen und aromatischen thailändischen Rezepten, obwohl die thailändische Küche natürlich einen großen Teil der weltweit geteilten Faszination mit thailändischem Essen ausmacht. Aber auch das Ritual der Mahlzeit selbst nimmt beim thailändischen Essen eine zentrale Rolle ein. Dabei haben sich im Lauf der (tatsächlich) Jahrhunderte ganz spezielle Gebräuche und Regeln heraus gebildet.

Authentisches thailändisches Essen bedeutet immer auch, die lokalen “Tischmanieren” zu kennen und zu respektieren. Dies gilt vor allem, wenn man als Gast ein selbst gekochtes Mahl im Privathaus eines Thai genießt; aber auch im Restaurant ist der Genuss der thailändischen Küche umso größer, wenn man sich beispielsweise mit den Esswerkzeugen gut auskennt. Für Ihre nächste Thailand Reise (oder auch einfach einen vollkommenen Abend im Thai-Restaurant gleich um die Ecke) haben wir deshalb einen kleinen kulinarischen Thailand-Knigge zusammengestellt, mit dem Sie sich bald wie ein Chamäleon in der thailändischen Küche bewegen werden.

Die Esswerkzeuge

Die Esswerkzeuge in Thailand

König Rama VAnders als manche Thai Restaurants oder Asien-Kochbücher uns glauben machen, wird in der thailändischen Küche nur in Ausnahmefällen mit Stäbchen gegessen (siehe nächster Punkt). Stattdessen kommen so gut wie immer Löffel und Gabel auf den Tisch.

Auch Gabel und Löffel wurden als Esswerkzeuge erst von König Rama V. (1853-1910) als Teil seiner Modernisierungsreform und partiellen Anpassung an den Westen und dessen Hygienevorstellungen eingeführt. Davor wurde in Thailand fast ausschließlich mit den Händen gegessen.

In der Thailändischen Küche wird anders mit Gabel und Löffel umgegangen als bei uns. Der Löffel wird in die Haupthand genommen (abhängig davon, ob man Rechts- oder Linkshänder ist), die Gabel in die andere. Sie wird dazu genutzt, das Essen auf den Löffel zu schaufeln, von dem es dann gegessen wird.

Gabeln werden vor allem bei formelleren Gelegenheiten auf keinen Fall dazu benutzt, Essen direkt in den Mund König Rama V. aufzunehmen. Allerdings wird man bei einem schnellen Lunch zwischendurch nicht schräg angesehen, wenn man seine Gabel in das Fleischbällchen spießt und es direkt so isst. Anders als etwa das völlig Tabu der Japaner, die Essstäbchen direkt ins Sushi zu stecken, ist das direkte Essen mit der Gabel eher eine kleine Verfehlung schlechten Geschmacks, vergleichbar mit dem Ablecken des Messers in unserer Kultur.

Thailänder würden das Fleischbällchen mit ihrer Gabel fixieren, während sie mit dem Löffel Bissen abteilen. Dann würde das kleinere Stück mit der Gabel auf den Löffel geschaufelt und von diesem gegessen. Übrigens: Wer sich tief ins Landinnere in noch traditioneller geprägte Gegenden Thailands begibt, bekommt thailändisches Essen auch einfach nur mit einem kurzen Löffel serviert.

Soll das Essen in kleinere Stücke zerteilt werden, wird dafür also ebenfalls der Löffel benutzt. Messer kommen beim thailändischen Essen nie auf den gedeckten Tisch; sie werden als “Waffen” betrachtet, die in die Hand des Kochs und in die Küche gehören. Deshalb sollte man auch nie um ein Messer bitten. Es wird allerdings weniger als grobe Unhöflichkeit ausgelegt werden, denn als absolute Unkenntnis jeglicher Etikette.

Thailändisches KüchenmesserEin typisches thailändisches Küchenmesser gleicht einem kleinen Beil, mit dem sämtliche Zutaten geschnitten und gehäckselt werden. Die thailändischen Messer-Marken Kom-Kom und Kiwi (beide stammen vom selben Hersteller, Kom-Kom wird nur etwas hochklassiger vermarktet) sind weltweit als preiswerte, höchst langlebige Allzweckmesser selbst bei Sterneköchen höchst beliebt.

Für Hobbyköche und als Geschenk sind diese Messer ein echter Geheimtipp. Allerdings sollte man nicht versuchen, sie im Handgepäck mit nach Hause zu nehmen! Wem die nächste Thailand Reise noch zu weit in der Zukunft liegt, wird häufig auch im Asia-Laden fündig. Natürlich kann man auch einfach im thailändischen Restaurant der Wahl nett nachfragen, ob sich hier vielleicht eine Ankaufsquelle auftut.

Doch zurück zum Essbesteck. Nach dem Essen werden Gabel und Löffel auf etwa halb sieben Uhr auf dem leeren Teller nebeneinander abgelegt – als Zeichen, dass man fertig ist und nicht etwa nur eine Pause macht. Dies ist auch das Zeichen für Kellner im Restaurant, dass sie den Teller abräumen können. Atmosphäre.

Stäbchen

Stäbchen als Esswerkzeug

Essstäbchen sind zwar zum Bestandteil der thailändischen Küche geworden, gehörten aber nicht ursprünglich dazu. Sie wurden erst durch den Einfluss der chinesischen Küche eingeführt. Daher kommen sie auch nur für das Essen von Nudelsuppen (wie etwa Khao Teow Nam) zum Einsatz, die in Schalen serviert werden. Essstäbchen werden in Thailand niemals genutzt, um Reis oder Currys zu essen. Auch Nudelgerichte, die auf einem flachen Teller serviert werden – wie etwa Pad Thai, oder Pad Kee Mao – werden mit Gabel und Löffel genossen.

Werden Essstäbchen gereicht, sind sie auch dafür gedacht, genutzt zu werden. Werden zu einem Essen allerdings keine Stäbchen mit serviert, sollte man auch nicht darum bitten – dann ist das Gericht einfach nicht dafür gedacht.

Essstäbchen werden beim thailändischen Essen immer in Kombination mit einem Löffel angeboten. Man nimmt die Stäbchen in die Haupthand und den Suppenlöffel in die freie, andere. Dann werden die festen Bestandteile (das meist extrem zarte Fleisch, die Nudeln und das weiche Gemüse) mit den Stäbchen aus der Brühe gehoben, bis sie gerade so über der Flüssigkeit schweben und sanft auf den Löffel gegeben. Anschließend wird der Löffel wieder behutsam eingetaucht, mit Brühe aufgefüllt und der Inhalt dann gegessen. So schmeckt jede Löffelladung ganz individuell und immer wieder anders, je nach kombinierten Zutaten.

Auf gar keinen Fall sollte man die Nudeln (wie etwa in China absolut üblich und erwartet) zwischen den Stäbchen einklemmen und dann direkt von diesen lauthals schlürfen. Das mag zwar wesentlich effizienter sein, wird aber als sehr rüde empfunden.

Suppe

Suppe mit Stäbchen essen

Noch ein paar zusätzliche Worte zu thailändischen Suppen. Diese werden in Thailand oft extrem heiß serviert; in vielen Fällen sogar auf einem Stövchen mit einer direkten Wärmequelle darunter. Hier ist also ein wenig Vorsicht angebracht, um weder Hände noch Zunge zu verbrennen. Den Löffelinhalt leicht anzupusten wird nicht als unhöflich betrachtet.

Bei ganz traditionellen Mahlzeiten oder in bestimmten Landesteilen wird die Suppe nicht in individuellen Schälchen pro Portion serviert. Stattdessen kommt eine große Suppenschüssel für alle in die Mitte des Tisches. Dann nimmt man schlicht die bereit liegenden Löffel, taucht diese mit den anderen zusammen in die Suppe ein und isst sie direkt aus dem gemeinsamen Topf.

Oft bekommt in diesem Fall jeder Gast einen Teller, auf den er sich eine Portion Reis aus einer Schüssel häuft. Dann kann die Suppe auch mit dem Reis auf dem Löffel vermischt werden. Wichtig ist nur, dass der Löffel ganz sauber gegessen wird, bevor man ihn wieder eintaucht.

Für westliche Hygienevorstellungen kann diese Praxis gewöhnungsbedürftig sein. Ich sage mir, die Suppen sind meist so scharf und mit so vielen natürlichen Antioxidantien zubereitet, dass der Löffel schon beim Eintauchen desinfiziert wird!

Wird die Suppe, wie heute meist üblich, bereits in individuellen Schalen pro Person serviert, würzt man sie zunächst einmal gemäß dem eigenen Geschmack. Hierfür stehen üblicherweise mindestens Chilis, Zucker, Fisch-Sauce und Essig bereit.

Gemeinsames Essen

Thailändisches Essen ist eine extrem soziale Angelegenheit! Nicht nur trifft man sich wesentlich häufiger in größeren Gruppen, um zusammen Thai Food zu genießen (und zwar ohne formelle Einladung und langwierige Planung). Auch die Architektur der Mahlzeit selbst ist auf ein gemeinschaftliches Erleben ausgelegt. Um diesen ganz speziellen Aspekt der thailändischen Küche ganz genießen zu können, sind ein paar Grundsatzinformationen hilfreich.

Gerichte werden geteilt

Gerichte werden so gut wie immer geteilt

Was auch immer man in Gegenwart anderer am Tisch von einer Speisekarte bestellt, ist zum Teilen mit allen gedacht. So etwas wie individuelle Gerichte, die nur von einer Person verzehrt werden, gibt es lediglich beim schnellen Lunch (siehe unten) – und auch dann nur, wenn man alleine unterwegs ist oder “im Gehen” isst. Natürlich haben sich thailändische Restaurants dennoch auf die westliche Kultur des Individualessens eingestellt. Deshalb kann man am Anfang eines Mahls mit gemischten Gästen, die man noch nicht so gut kennt, etwas verwirrt sein.

Glücklicherweise gibt es ein eindeutiges Zeichen, ob es sich um eine kommunale Mahlzeit handelt: den Reis. Wird dieser in einer großen Schale bestellt oder steht eine solche bereits auf dem Tisch, dann handelt es sich um ein thailändisches Essen, bei dem jeder ein oder zwei Lieblingsgerichte bestellt und diese für alle zum Bedienen auf den Tisch kommen.

Bestellungen sind meistens flexibel – aber nicht immer

Apropos Lieblingsgerichte: Nicht immer bestellen alle am Tisch Sitzenden individuell. Manchmal übernimmt diese Aufgabe auch der Gastgeber. Dann bestellt der- oder diejenige meist eine ausgewogene Mischung aus verschiedenen Spezialitäten, die den vier Geschmacksrichtungen des Thai Food süß, sauer, scharf und bitter entsprechen und sowohl Fleisch- als auch Gemüsegerichte, Suppen, Curries und Yums umfassen. Immer wird es mindestens ein Gericht pro anwesender Person geben, meist mehr. Übrigens: Auch bei einem Essen zu zweit kann man diese Tradition ausleben! Dann bestellt man etwa eine Suppe, ein Curry und ein Gemüsegericht zusammen mit einer großzügigen Portion Reis und teilt diese.

Dennoch ist es niemals unhöflich, eigene Wünsche zu äußern oder um eine Übersetzung der Karte zu bitten. Oft lohnt es sich auch, nach den jeweiligen Spezialitäten des Hauses zu fragen. Ist allerdings eine Einzelperson offensichtlich für die Gesamtbestellung verantwortlich, sollte man diesem das Nachfragen überlassen und nicht einfach mit dem Kellner eine Parallelunterhaltung- oder Bestellung aufnehmen. Vorab sollte man in jedem Fall klären, ob die Menu-Zusammenstellung schon vorab arrangiert wurde und eine Ergänzung unproblematisch ist.

In manchen Gegenden werden alle Gerichte an ihrem Platz belassen

In bestimmten Regionen Thailands werden die Schüsseln und Platten nicht herumgereicht, wie es im Westen üblich ist. Es wird dort auch als unhöflich aufgefasst, aufzustehen und etwas zu nehmen oder zu sich heranzuziehen. Kann man selbst ein Gericht nicht erreichen, bittet man denjenigen, der am nächsten sitzt, um Hilfe. Oft ist aber selbst das nicht nötig, denn alle Gerichte wechseln häufig nach der ersten Runde kollektiv den Platz, damit jeder an alles kommen kann.

Es erwartet niemand, Essen angeboten zu bekommen; und es wird auch nicht als besonders zuvorkommend bewertet, wenn man dies tut. Wer etwas möchte, nimmt es sich selbst in der selbst gewählten Reihenfolge. Bekommt man etwas angeboten, wie in unserer Kultur, verwirrt das nur – es wird vielleicht aus Höflichkeit akzeptiert, widerspricht aber der Idee des kollektiven Essens, dass jeder sich nimmt, was und wie viel er wann möchte.

In anderen Teilen Thailands hingegen ist dieser Brauch völlig unbekannt, so etwa in Bangkok. Dort werde die Servierschüsseln mit Thai Food genauso selbstverständlich herumgereicht wie bei uns. Es lohnt sich also immer, entweder diesbezüglich nachzufragen oder andere Gruppen zu beobachten, deren Mahlzeit bereits serviert ist.

Die Kunst des Nehmens

Die Kunst des Nehmens

So gut wie immer liegt thailändischem Essen ein Servierlöffel bei, der zur Entnahme der eigenen Portion genutzt werden sollte. Man sollte sich von jedem einzelnen Gericht nur so viel nehmen, dass für alle anderen genug bleibt – meist sind ein bis zwei Löffel eines Gerichts schon genug. Ist man sich nicht sicher, ob eine Spezialität auch wirklich schmecken wird, ist ein Probierhappen die bessere Wahl, als hinterher etwas liegen zu lassen.

Genommen wird immer von der jeweils zugewandten Seite der Servierplatte oder Schale, nie aus deren Mitte.

Zuerst nimmt man sich allerdings einen kleinen Haufen Reis auf den eigenen Teller, der dann von den Gerichten umgeben wird. Traditionell werden nicht mehr als zwei bis drei Gerichte gleichzeitig zusammen mit dem Reis auf dem eigenen Teller arrangiert. Wenn diese aufgegessen sind (der Reis muss es nicht sein) werden die nächsten genommen. So entsteht eine Menge Bewegung um den Tisch herum, eine ganz eigene Art fröhliches, kulinarisches Ballett, das erstaunlicherweise nie unruhig wirkt.

Am Ende des Mahls sollte der eigene Teller tatsächlich leer sein, mit Ausnahme von übrig gebliebenem Reis. Anders als in anderen Esstraditionen wird es nicht als höflich betrachtet, etwas übrig zu lassen. Im Gegenteil: Es bedeutet, dass man wertvolle Nahrung genommen und nicht verzehrt hat, welche ein Anderer hätte stattdessen genießen können. Das zu tun, ist wahrscheinlich die einzige wirkliche “Sünde” bei Tisch in den Augen eines Thai – alles andere sind kleine Faux Pas, über die geschmunzelt wird.

Wenn man etwas gar nicht mag, etwa Fleisch generell, Innereien, besonders scharfes Essen, Fisch etc., dann kann man dies bei einem thailändischen Essen ganz deutlich sagen, ohne unhöflich zu wirken. Thai sind auch selbst sehr geradeheraus, wenn es um ihren persönlichen Geschmack beim Essen geht.

Wohin mit den Resten wie Knochen und Gräten?

In den meisten thailändischen Restaurants wird man mit einer Schale für die Reste wie Gewürzschalen und Blätter etwa von Zitronengras, Kaffir Blättern, Galgant (Thai-Ingwer), Koriander-Wurzel, generell Fett, Knochen, Fischköpfen etc. versorgt. Derart praktisch nicht essbare Zutaten schwimmen im thailändischen Essen häufig herum. Sie sind verantwortlich für das ganz besondere Aroma des Gerichtes, aber nicht dafür da, mitgegessen zu werden.

Beißt man also auf etwas offensichtlich Hartes oder sieht seltsame, eher ungenießbar aussehende Dinge in der Sauce schwimmen, ist es völlig normal und so vorgesehen, dass diese entweder herausgefischt oder dezent (hierzu komme ich gleich) ausgespuckt werden. Achtung: Die Haut von Hühnchen, Schwein oder Fisch nimmt eine Sonderstellung ein. In thailändischen Rezepten werden diese als vollwertige Ingredienzien genutzt – und viele Thailänder lieben sie! Sollte also Haut mit aufgetischt werden, entfernt man sie lieber nicht im vorauseilenden Gehorsam von den gemeinsamen Gerichten, sondern überlässt sie einem anderen Gourmet.

Beißt man plötzlich auf ein unliebsames Stück Reste-Essen, sollte man es niemals sichtbar auf den Löffel spucken, sondern dezent einer vor den Mund gehaltenen Serviette übergeben und diese dann entweder unter dem eigenen Teller verstecken oder unauffällig (aber nicht notwendigerweise “unsichtbar”) in die Resteschale leeren. Sollten gerade keine Servietten verfügbar sein, kann auch die vor dem Mund zu einer kleinen Schale geformte, linke Hand herhalten. Nur wenn eine Resteschale weder bereit gestellt wurde noch herbei geschafft werden kann, sollten Reste bei einem thailändischen Essen wieder auf dem Teller landen, nachdem sie bereits im Mund waren – und dann auch nur so weit entfernt, wie möglich.

Lautstärke und Geschwindigkeit

Beim Essen gilt, wie auch sonst in Thailand: Einfach mal entspannen und die Zeit fließen lassen

Thailändische Mahlzeiten sind außerordentlich fröhliche Ereignisse, bei denen geredet, gescherzt und viel gelacht wird. Gleichzeitig wird jedoch bewusst leise gegessen! Thais kauen sehr unauffällig und unhörbar, versuchen auch bei knusprigem Essen zu laute Geräusche zu vermeiden, halten den Mund geschlossen und behandeln Essbesteck behutsam.

Da hilft es, dass thailändisches Essen außerdem entspannt und ohne Hektik genossen wird. In Thailand isst man gaaaanz langsam, lässt sich Zeit für das Nachschmecken und ausgedehnte Unterhaltungen mit allen Anwesenden. Wer dazu nicht bereit ist und kribbelig wird, um noch schnell die nächste Sehenswürdigkeit “abzuarbeiten”, sollte sich lieber an einer der vielen Street Food Stände bedienen – für ein Menu in der Gesellschaft thailändischer Freunde heißt es: achtsam im Jetzt leben und viel Zeit mitbringen!

Dies voraus geschickt, braucht man am Anfang einer Mahlzeit keinesfalls geduldig darauf zu warten, bis alle bestellten Gerichte auf dem Tisch erscheinen. In der thailändischen Küche werden die Gerichte serviert, wenn sie in der Küche fertig werden. So tauchen oft die ganze Mahlzeit über neue Köstlichkeiten auf, wobei Vor- und Hauptspeise sich ebenfalls frei mischen können. Entsprechend braucht man aber auch nicht auf das “eigene”, also selbst ausgesuchte Gericht zu warten, sondern legt einfach los, sobald die erste Schüssel (und der Reis) aufgetragen sind.

Ebenfalls ein sicheres Zeichen für das fehlende Verständnis der thailändischen Küche: “Whan Na”. Whan Na beschreibt eigentlich die Tätigkeit eines Bauern, der auf seinem Reisfeld neue Saat ausbringt. Im kulinarischen Kontext ist es die Umschreibung für jemand, der ständig kleckert und Reiskörner auf dem ganzen Tisch verteilt. Vor allem für westliche Gäste ist dies anfangs allerdings fast unvermeidlich, denn die thailändischen Teller sind in der Regel wesentlich kleiner als die normalen Essteller, die wir gewöhnt sind; sie gleichen eher unseren Salattellern. Das hilft einerseits dabei, sich an die kleinen Portionen zu halten, die für jeden Thai selbstverständlich sind; andererseits macht es akkurates Essen am Anfang zu einer Herausforderung.

Richtig Reis essen

Richtig Reis essen

Reis ist die Basis so gut wie jeder thailändischen Mahlzeit, einschließlich der Desserts. Dennoch gut zu wissen: Bestellt man Essen im Restaurant, wird der Reis immer separat und ausdrücklich mitbestellt – er wird nicht automatisch mitgeliefert. Generell wird jeder Löffel zuerst mit ein wenig Reis gefüllt und dann mit einer kleinen Portion der bereit stehenden Gerichte ergänzt, so dass jeder Bissen ein wenig Reis und ein bestimmtes Aroma enthält.

Auf diese Weise lassen sich auch wirklich scharfe Gerichte für den westlichen Gaumen sanfter gestalten: Man erhöht einfach die Menge an Reis, mit der man den Bissen genießt.

Der berühmte thailändische Klebereis, der im Norden und Nord-Osten am weitesten verbreitet ist, wird traditioneller Weise mit den Händen gegessen. Man bricht hierfür ein klein wenig aus dem in der zugedeckten Schüssel servierten Reis ab und legt sofort wieder den Deckel auf, da der Reis sonst austrocknet und hart wird. Dann rollt man ihn in der Hand zu einem kleinen Ball und dippt diesen in das jeweilige Gericht, um den Geschmack zu absorbieren. Hierzu nutzt man nur die Fingerspitzen. Meist wird zu klebrigem Reis eine kleine Schüssel mit warmen Wasser gereicht, in der man sich am Ende die Fingerspitzen waschen kann.

Thailänder sind allerdings auch daran gewohnt, dass westliche Besucher sich oft ein wenig davor scheuen, mit den Händen zu essen – deshalb liegt meist mindestens ein Löffel bereit. Doch selbst dann sollte man den Reis zumindest mit den Fingern abbrechen, dann auf den Teller geben, mit dem Löffel aufnehmen und aromatisieren. Überraschenderweise ist dies nämlich der eleganteste und sauberste Weg, da Klebreis sich mit Esswerkzeugen relativ schwierig zerteilen lässt!

Eine ästhetische Eigenart thailändischen Essens ist der “saubere Reis”. Solange es sich nicht um ein Curry Gericht handelt, bei dem die Sauce über dem Reis ausgegossen wird, bleibt dieser auf dem Teller von den anderen Gerichten separiert. Erst auf dem Löffel vermählen sich Reis und Aromen. Keinesfalls sollte man sich zig Gerichte auf den Reis häufen und diese dann zu einer undefinierbaren Pampe verrühren.

Ebenfalls ein sicheres Zeichen für das fehlende Verständnis der thailändischen Küche: “Whan Na”. Whan Na beschreibt eigentlich die Tätigkeit eines Bauern, der auf seinem Reisfeld neue Saat ausbringt. Im kulinarischen Kontext ist es die Umschreibung für jemand, der ständig kleckert und Reiskörner auf dem ganzen Tisch verteilt. Vor allem für westliche Gäste ist dies anfangs allerdings fast unvermeidlich, denn die thailändischen Teller sind in der Regel wesentlich kleiner als die normalen Essteller, die wir gewöhnt sind; sie gleichen eher unseren Salattellern. Das hilft einerseits dabei, sich an die kleinen Portionen zu halten, die für jeden Thai selbstverständlich sind; andererseits macht es akkurates Essen am Anfang zu einer Herausforderung.

Einladungen

Für etwas offiziellere Anlässe oder Geschäftsessen mit zukünftigen thailändischen Partnern gilt es ein paar extra Regeln zu beachten.

Ist bei Tisch ein Gastgeber anwesend oder eine Person, die offensichtlich aufgrund ihres Alters oder ihrer Stellung innerhalb des Unternehmens oder der Familie uneingeschränkte Autorität genießt, sollte man darauf warten, dass der- oder diejenige den Beginn der Mahlzeit signalisiert.

Meist sitzt diese Person am Kopf des Tisches und ist so auch für Außenstehende leicht zu identifizieren (bei runden Tischen ist die Sache naturgemäß etwas schwieriger zu dekodieren; in diesem Fall kann man diskret nachfragen oder das Verhalten der anderen beobachten). Kommt man neben dieser Person zu sitzen, sollte man ihr für den Fall, dass die Schüsseln herumgereicht werden, diese anbieten bevor man selbst nimmt. Andernfalls sollte man darauf achten, dass die Person sich von einem Gericht genommen hat, bevor man selbst zugreift.

In jedem anderen Fall, also bei einem zwanglosen Mahl unter Freunden, braucht man nicht zu warten, sondern kann einfach zugreifen sobald das erste Gericht serviert wurde.

Auch wenn es sich um ein ausgesprochenes “Business”-Dinner (oder auch ein Mittagessen) handelt, fängt man Thailand nicht sofort, schlimmstenfalls noch bevor das Essen serviert wird, an, übers Geschäftliche zu sprechen. Dies wird als unziemliche Ungeduld ausgelegt. Man wartet immer ab, bis mindestens alle ihre Hauptgerichte zu drei Vierteln gegessen haben, bevor man die entsprechenden Themen anschneidet. Meist merkt der aufmerksame Beobachter dies daran, dass sich bei allen Anwesenden das Tempo verringert, mit dem sie sich bedienen und die einzelnen Portionen merklich kleiner werden.

Ist man selbst der Gastgeber oder die Gastgeberin, kann man dann auch selbst zum Geschäftsteil kommen. Wird man eingeladen, wartet man bestenfalls, bis der Gastgeber aktiv wird. Das heißt allerdings ganz und gar nicht, dass das Essen in Schweigen verbracht werden muss oder man nicht selber pro-aktiv eine Unterhaltung anfangen kann. Nur sollte es in dieser eher um Privates gehen, die Familie, Freizeitaktivitäten, Reisepläne, das Thai Food auf dem Tisch und anderer freundlicher Small Talk.

Geht es ans Zahlen, wird bei formelleren Gelegenheiten meist der Gastgeber die Rechnung übernehmen. Dennoch wird es als höflich angesehen, wenn man anbietet, sich an den Kosten zu beteiligen oder zumindest die Gerichte und Getränke zu übernehmen, die man selbst ausgesucht und bestellt hat. Anbieten sollte man dies jedoch nur einmal und bei freundlicher Ablehnung keinesfalls darauf bestehen. In jedem Fall sollte man sich im Anschluss an das Mahl beim Gastgeber bedanken.

In seltenen Fällen kann es geschehen, dass dem Restaurant-Personal nicht ganz klar ist, wer die Rechnung bezahlen wird. In diesem Fall wird sie entweder demjenigen gebracht, der am Kopf des Tisches sitzt; oder dem offensichtlich Ältesten; oder vor allem auf dem Land und in bestimmten, traditionelleren Regionen, dem, der am wohlhabendsten zu sein scheint. Sollte daher einen selber treffen, aber man ist nicht der Gastgeber, dann kann man die Rechnung an diesen weiter geben. Möchte man aus geschäftlichen Gründen selbst bezahlen, ist es immer eine gute Idee, dies vorab dem Kellner oder Restaurantbesitzer mitzuteilen.

Absolute No Go’s

Es gibt wohl wenig derart freundliche, geduldige und tolerante Menschen wie die Thai. Dennoch bietet gerade die kulinarische Etikette einige Fettnäpfchen, in die man auch in diesem gastfreundlichen Land keinesfalls treten sollte.

Man sollte niemals ein ganzes Gericht für sich allein beanspruchen, auch wenn man es ausgesucht und bestellt hat. Die Disziplin des maßvollen Teilens ist fast schon heilig an thailändischen Tischen. Egal, wie gut das eigene Lieblingsgericht schmeckt und auch, wenn es das einzige sein sollte, dass von allen wirklich mundet – man sollte nicht mehr davon nehmen als alle andern auch.

Keinesfalls sollte man in einem von allen geteilten Gericht herumstochern, um nach den “besten Stücken” Ausschau zu halten. Oft werden in thailändischem Essen etwa Fleisch oder Fisch mit Gemüse in einem Gericht kombiniert. Mag man etwa die Gemüse oder das Fleisch nicht, braucht man sie auch nicht zu nehmen (und sollte es auch nicht, um keine Reste zu lassen). Das heißt aber nicht, dass man sich stattdessen mehr von dem herausfischt, was man mag. Lieber nimmt man hiervon einige wenige Stücke und wiederholt die Prozedur, nachdem dasselbe Gericht noch von den anderen Anwesenden probiert wurde.

Niemals, wirklich niemals, sollte man mit vollem Mund sprechen. Wenn es gar keine Alternative gibt, sollte man sich die Serviette oder die Hand vor den Mund und den Redebeitrag so kurz wie möglich halten.

Das gleiche gilt für das Ablecken der Finger. Dies scheint ein etwas seltsamer Ratschlag zu sein, da die wenigsten Menschen in Versuchung kommen würden, dies überhaupt zu tun. Allerdings ändert sich die Sachlage, wenn man Klebereis mit Fingern isst. Dann kann das “Sauberlecken” schnell zu einer völlig unbewussten Bewegung werden – die es aber auch in diesem Fall zu vermeiden gilt.

Niemals sollte man mehrere Gerichte miteinander oder mit dem Reis auf dem eigenen Teller vermischen. Nicht nur, dass man sich damit selbst der verschiedenen, subtilen Aromen beraubt, die die thailändische Küche zu bieten hat. Es ist auch Zeichen von Gier und der eigenen Unfähigkeit, die Mühe des Kochs zu würdigen.

Das berühmte Reste lassen

Völlig im Gegenteil zu dem, was viele Besucher auf Thailand Reise zu glauben scheinen (und vielleicht aus anderen asiatischen Kulturen auch tatsächlich so kennen), sollte man keinesfalls Essensreste auf dem Teller zurück lassen. Es gibt tatsächlich kulinarische Traditionen, in denen mit diesen Anstandshappen zum Ausdruck gebracht wird, dass man restlos glücklich und schon mehr als gefüllt sei, weil es dem Gastgeber gelungen ist, einen vollstens zufrieden zu stellen. Im thailändischen Essen ist dies aber definitiv nicht der Fall – im Gegenteil.

Alles, was nach dem Essen auf dem Teller noch zu sehen sein sollte, ist Ungenießbares, das (leider) nirgendwo sonst einen angemessenen Platz gefunden hat. Ansonsten sagt man, dass der Teller so sauber gegessen sein sollte, dass man anhand der Spuren nicht mehr erraten könne, welche Gerichte es gegeben hat. Kein Körnchen Reis sollte verschwendet werden; zu groß ist der Respekt der Thai vor dem Lebensmittel und der Kunst des Kochs.

Ein leerer Teller zeugt außerdem von maßvollem, bedachtem Genuss, bei dem jeder nur soviel pro Portion nimmt, wie auch tatsächlich Appetit vorhanden ist. Als letztes sollte man also immer alle nicht essbaren Reste zu einem kleinen Häufchen auftürmen und letzte herumliegende Reiskörner und Essensstückchen mit dem Löffel zusammen schaben und dann essen.

Ein weiterer Mythos betrifft die letzte noch auf der Servierschale verbliebene Portion eines Gerichtes, die man sich als Gast keinesfalls nehmen sollte. Zwar steckt hierin ein Körnchen historische Wahrheit. Früher stand es tatsächlich dem Gastgeber zu, das letzte Stück oder den letzten Löffel zu nehmen und ihn dem Gast gegebenenfalls anzubieten. Dies hatte jedoch einen praktischen Grund, der aus einer Zeit stammt, in der viele thailändischen Haushalte noch Küchenhelfer hatten. Diese kochten nicht separat für sich selbst, sondern aßen nach ihren Arbeitgebern dasselbe Essen. Damit der Haushaltsvorstand sicher sein konnte, dass sie von jedem Gericht ebenfalls würden kosten können, verblieb immer ein Rest in den Schüsseln.

Die große Ausnahme: Lunch

Die große Ausnahme: Lunch

Auch Thais kennen das schnelle Mittagessen für Zwischendurch – und das nicht erst, seit das hektische Wirtschaftsleben selbst in die Kleinstädte Einzug gehalten hat. Ganz im TablettGegenteil lässt die thailändische Küche sich davon noch am wenigsten beeindrucken. Nein, Thais snacken einfach gerne und essen, wo immer sie sich gerade aufhalten – daher auch die lange und glorreiche Tradition des Street Food, das in Thailand eine seiner weltweit kulinarisch komplexesten Ausprägungen erfahren hat.

Beim Mittagessen (oder einem Snack zu einer anderen Tageszeit) wird mit der Regel gemeinsamen Essens gebrochen. Deshalb nennen die Thai diese Mahlzeit auch Ein-Teller-Gerichte. Meistens handelt es sich dabei um eine Schale mit Nudelsuppe oder den sogenannten Stir-Frys, kurz angebratenen Nudeln mit verschiedenen Aromen, wie man sie in thailändischen Rezepten wie Pad Thai, Pad See Ew, Rad Na oder Kuay Tiew Kua Kai findet. Bei etwas aufwendigeren Lunch-Szenarios werden mehrere dieser Gerichte in kleinen Schüsseln auf einem Tablett für eine Person arrangiert.

Auch wenn man das Mittagessen mit Bekannten oder Arbeitskollegen einnimmt, bestellt in diesem Fall jeder für sich selbst. Es wird auch nicht erwartet, dass man das eigene Essen teilt, selbst wenn es auf mehrere Schalen verteilt kommt. Man bestellt einfach das, worauf man Lust hat. Oft stehen auf dem Tisch weitere Würzzutaten bereit, von denen man sich nach Belieben bedienen kann. Allerdings: Abgesehen von dem ausnahmsweise nicht geteilten Essen bestehen alle anderen Regeln der thailändischen Essens-Etikette unverändert weiter!

Nur eine Ausnahme gibt es noch. Oft sind die Lunch-Restaurants klein und recht voll. Wird man zu jemand an den Tisch gesetzt, erwartet derjenige nicht etwa, in ein Gespräch oder einen Austausch von Small Talk verwickelt zu werden. Stattdessen sollte man den anderen in Ruhe essen lassen, als ob er oder sie alleine säßen.

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Die typischen Verlockungen jedes Buffets – sich mehr zu nehmen als man jemals wird essen können und das zu unschönen Bergen gehäuft – sind natürlich auch in Thailand gegeben. Dennoch sollte man ihnen nicht nachgeben. Auch hier gilt: Nie mehr als drei verschiedene Gerichte in moderaten Portionen um den Reis in der Mitte des Tellers gruppieren. Currys und Suppen in gesonderte Schüsseln abfüllen, die bei fast allen Buffets gestellt werden. Früchte und Desserts nicht mit den Vor- und Hauptspeisen mischen, auch wenn sie vom Geschmack her harmonieren würden.

Die Thailändische Küche ist nicht umsonst berühmt für ihre viele verschiedenen, gleichzeitig servierten Gerichte bei einer Mahlzeit. Das führt auch dazu, dass Buffets reichlich und immer wieder aus Neue bestückt werden. Die aus dem Westen häufig bekannte Erfahrung des sich unwiderruflich leerenden Buffets, das dann zur Massenpanik führt, wird man in Thailand nicht so schnell machen.

Weiterführende Links

Thailändisch auf vegetarisch

Das 1×1 der thailändischen Küche

Thailändische Küche, Thailändisches Essen - Das kleine 1x1

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